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Bild © AUBI-plus GmbH
Verfasst am 12.
Ausbildungsqualität sichtbar machen (Interview mit Andrea Milberg, AUBI-plus GmbH)
Immer mehr Unternehmen möchten wissen, wie gut ihre Ausbildung wirklich ist. Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, um dies nach außen zeigen zu können. Das Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN hilft dabei: Es zeichnet Betriebe aus, die Nachwuchskräften eine besonders hochwertige Ausbildung bieten. Grundlage ist ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren, das die Ausbildung aus mehreren Perspektiven beleuchtet. Wir sprachen mit Andrea Milberg, Wissenschaftliche Leitung & Fachexpert Zertifizierung, über die Idee hinter dem Gütesiegel, den Ablauf der Zertifizierung und den Nutzen für Unternehmen.
"Frau Milberg, was genau ist BEST PLACE TO LEARN?"
Andrea Milberg: BEST PLACE TO LEARN ist Deutschlands Gütesiegel für die betriebliche Ausbildung. Auf Basis objektiver und wissenschaftlich geprüfter Kriterien zeigt es, wie gut ein Unternehmen junge Menschen auf das Berufsleben vorbereitet. Das Besondere ist der 360-Grad-Blick auf die Ausbildung: Wir befragen sowohl die aktuellen und ausgelernten Auszubildenden als auch die Ausbilder und das ausbildende Fachpersonal, also auch die nebenamtlichen Ausbilderinnen und Ausbilder.
Das Befragungsinstrument wird regelmäßig weiterentwickelt und angepasst, so wie sich auch die betriebliche Ausbildung ständig verändert. So entsteht ein umfassendes und ehrliches Bild davon, wie Ausbildung im Betrieb tatsächlich gelebt wird, und nicht nur, wie sie gedacht oder geplant ist.
Für die Betriebe ist die Zertifizierung Anlass, ihre Ausbildung zu reflektieren und Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Das Gütesiegel gilt für 3 Jahre, danach müssen sich die Betriebe rezertifizieren lassen. Die Rezertifizierung zeigt dann sehr schön, ob und wie die Maßnahmen gewirkt haben.
BEST PLACE TO LEARN® ist eine Marke von AUBI-plus. Das Unternehmen engagiert sich seit 1997 für die betriebliche Ausbildung und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz: Schülerinnen und Schüler beim Übergang Schule-Beruf begleiten, Unternehmen mit passenden Azubis matchen, Ausbildung zertifizieren, Ausbildungspersonal qualifizieren
u. v. m.
"Welche Vorteile bringt das Siegel den Unternehmen?"
Der erste Vorteil ist ganz klar, als attraktiver Ausbildungsbetrieb nach außen hin sichtbarer zu werden. Junge Menschen achten heute sehr genau darauf, bei wem sie ihre Ausbildung machen. Das BEST PLACE TO LEARN-Siegel ist ein glaubwürdiger Beleg dafür, dass die Ausbildung einen hohen Stellenwert hat und dass in Qualität investiert wird.
Weiterhin liefert das Audit eine sehr detaillierte Standortbestimmung der aktuellen Ausbildungsqualität und -prozesse und gibt damit gleichzeitig wertvolle Hinweise für Verbesserungen. Viele Unternehmen sagen uns, dass sie sich in den 3 Jahren bis zur nächsten Zertifizierung in Veränderungsprozesse begeben: Sie stellen ihre Strukturen auf den Prüfstand und entwickeln diese bedarfsgerecht weiter. Sie verbessern beispielsweise ihre Kommunikationsprozesse, überarbeiten Feedback und Beurteilungsgespräche, investieren in ihr Ausbildungspersonal, schaffen bessere Unterstützung für die Lernprozesse ihrer Azubis oder optimieren ihr Talentmanagement.
Zuletzt wird die Ausbildung im Unternehmen insgesamt stärker wahrgenommen. Ausbildung ist ein Zukunftsthema, das alle angeht. Dies stärkt auch die Mitarbeiterbindung des Ausbildungspersonals: Wer spürt, dass seine Arbeit als Ausbilder bzw. Ausbilderin wertgeschätzt wird, ist stolz darauf und bleibt engagiert bei der Sache.
"Wie aufwendig ist der Prozess für die Unternehmen?"
Insgesamt dauert das Verfahren in der Regel 6 bis 8 Wochen. Wir begleiten die Betriebe Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess, vom Kick-off über die Befragung bis hin zu der Ergebnisanalyse und Vermarktung. Der organisatorische Aufwand ist überschaubar, das meiste läuft digital. Der Fragebogen selbst dauert pro Person rund 15 Minuten. Das Siegel ist dann das sichtbare Ergebnis dieser Arbeit: ein Zeichen dafür, dass die Ausbildungsqualität überdurchschnittlich hoch ist.
Diese Bereiche werden bewertet:
1. Recruiting von Auszubildenden
2. Onboarding von Auszubildenden
3. Planung und Gestaltung der Ausbildung
4. Berufliches Lernen im Betrieb
5. Kompetenzen des Ausbildungspersonals
6. Kooperation der Lernorte
7. Ergebnisse der Ausbildung und Perspektiven
"Gibt es typische Aha-Momente, die Betriebe während des Prozesses erleben?"
Ein Unternehmen hat sich letztens zertifizieren lassen, weil es das Siegel in der Hauptsache als Marketinginstrument nutzen wollte. Erst im Prozess haben die Verantwortlichen gemerkt, wie wertvoll die Ergebnisse eigentlich für die Qualitätsentwicklung der Ausbildungsarbeit im Unternehmen sind.
Oft denken Unternehmen, sie wüssten genau, wie ihre Azubis die Ausbildung erleben. Tatsächlich zeigt die Befragung manchmal ganz neue Perspektiven auf. Ein wiederkehrendes Thema ist beispielsweise die Lernprozessbegleitung. Welcher Stoff wird gerade in der Berufsschule bzw. Hochschule behandelt? Wie kann das Gelernte transferiert und in der Praxis angewendet werden? Auch beim schulischen Lernen müssen die Azubis unterstützt werden, z. B. durch gemeinsame Reflexion des Lernens, Eingehen auf Lernschwächen, Einführung von Lernmanagementsystemen, digitalen Lernangeboten u. v. m.
"Was unterscheidet BEST PLACE TO LEARN von anderen Gütesiegeln?"
Der große Unterschied ist zum einen die wissenschaftliche Fundierung. Das Verfahren wurde in Zusammenarbeit mit Bildungsforschern entwickelt und ist mehrfach evaluiert worden. Zum anderen geht es nicht um eine Jury oder Selbstauskunft, sondern um die Einbeziehung aller Beteiligten: Wir fragen nicht die Personalabteilung oder die Geschäftsführung, sondern die Menschen, die unmittelbar an der Ausbildung beteiligt sind: Azubis, Ex-Azubis und Ausbildende. Sie sind schließlich diejenigen, die am besten wissen, wie die Ausbildung im Alltag gelebt wird. Dadurch entsteht eine sehr authentische, glaubwürdige Bewertung – kein Marketinglabel, das man einfach so kaufen kann, sondern eine echte Qualitätsaussage.
"Wie viele Betriebe sind aktuell zertifiziert?"
Seit der Einführung des Siegels in 2014 haben wir über 500 Zertifizierungsprojekte durchgeführt, und zwar aus allen Branchen: vom Handwerksbetrieb über mittelständische Unternehmen bis hin zu großen Konzernen, nicht nur aus der Privatwirtschaft, auch aus der öffentlichen Verwaltung.
Die Zahl wächst kontinuierlich, weil immer mehr Betriebe den Mehrwert erkennen: Die externe Wirkung des Gütesiegels auf der einen und der interne Nutzen auf der anderen Seite. Ausbildung ist eine Investition in die Zukunft, die sich lohnt. Das zeigt auch ein BIBB-Report von Juli 2025, der die Kosten für die eigene Ausbildung mit den Kosten für externe Fachkräftegewinnung vergleicht.
"Welche Voraussetzungen müssen Betriebe erfüllen, um an der Zertifizierung teilnehmen zu können?"
Grundsätzlich kann jedes Unternehmen, das seit 5 Jahren ausbildet, an der Zertifizierung teilnehmen – unabhängig von Branche oder Größe. Wichtig ist, dass mindestens 5 Personen je Befragungsgruppe teilnehmen. Die Auswertung erfolgt anonym anhand eines wissenschaftlich validierten Bewertungsmodells. Nur wer eine definierte Mindestpunktzahl erreicht, darf sich anschließend BEST PLACE TO LEARN nennen. Für eine erste Einschätzung, ob die Zertifizierung etwas für einen ist, steht auf unserer Webseite ein kostenfreier Selbsttest zur Verfügung.
"Wie können interessierte Unternehmen starten?"
Der Einstieg ist ganz einfach: Auf unserer Website finden interessierte Unternehmen alle Informationen, um sich schon einmal einzulesen und direkt Kontakt zu unserem Zertifizierungs-Team aufzunehmen. Danach beraten wir sie individuell, erklären den Ablauf und legen gemeinsam den Zeitplan fest. Innerhalb weniger Wochen erhalten sie das Ergebnis sowie eine detaillierte Auswertung mit Handlungsempfehlungen – eine wertvolle Grundlage, um die eigene Ausbildung weiterzuentwickeln.
"Zum Schluss: Was bedeutet gute Ausbildung für Sie persönlich?"
Gute Ausbildung bedeutet, jungen Menschen beruflich und persönlich Perspektiven zu eröffnen. Es geht nicht nur darum, Fachwissen zu vermitteln, sondern Begeisterung zu wecken und Verantwortung zu fördern. Wenn Azubis am Ende sagen: „Ich bin stolz, hier gelernt zu haben“, dann ist das für mich der schönste Beweis für gelungene Ausbildung. Unternehmen, die in die Qualität ihrer Ausbildung investieren, sichern damit ihre Zukunft.
"Vielen Dank für das Gespräch!"
Andrea Milberg von AUBI-plus ist Expertin für Ausbildungsqualität. Sie berät Unternehmen zu Ausbildung, Zertifizierung und Qualifizierung und ist beim DEUTSCHEN AUSBILDUNGSFORUM für Programm und Speaker verantwortlich. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in der Wirtschaftsförderung und Gründungsberatung.





